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Wirklich virtuell — Dragon NaturallySpeaking unter MacOS X

Ich beschreibe die Installation und Konfiguration von Dragon NaturallySpeaking (Dragon) unter Mac OS X, auf dem Parallels Desktop mit einer virtuellen Maschine unter Windows 7 läuft. Diese Konfiguration wird nicht offiziell von Nuance unterstützt, stellt aber eine ideale Lösung für Mac-Anwender dar, die die Windows Version von Dragon benutzen wollen oder müssen, jedoch nicht auf die Leistungsfähigkeit und den Komfort von MacOS verzichten wollen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Installation und Konfiguration
Benutzung und Workflow
Zusammenfassung

Einleitung

Dieser Artikel beschreibt, wie man Dragon NaturallySpeaking in einer virtuellen Maschine mit Windows 7 auf einer Rechner unter Mac OS X unter Parallels Desktop benutzt. Eine solche Konfiguration ähnelt einer virtuellen Umgebung wie der von Citrix.

Meine konkrete Konfiguration zum Zeitpunkt dieses Artikels (Februar 2011) lautet:

Sowohl die korrekte Konfiguration als auch mögliche Probleme werden diskutiert.

Installation und Konfiguration

Die Installation von Parallels Desktop, Microsoft Windows und Dragon NaturallySpeaking wird in den entsprechenden Handbüchern erklärt und ich werde sie hier nicht im Detail wiederholen. Die Stelle, an der wir eingreifen müssen, ist, wenn ein Dragon Benutzerprofil zum ersten Mal erstellt wird.

Zunächst sollte die virtuelle Maschine unter Windows die maximalen Ressourcen bekommen, die zur Verfügung stehen. Wie im Parallels Handbuch (auf Englisch) beschrieben ist, sollten im Panel „Optionen” / „Optimierung” im Menü „Leistung” der Eintrag „Schnellere virtuelle Maschine” ausgewählt und der Schalter „Windows beschleunigen” aktiviert werden. Im Feld Allgemein (auf Englisch) ist es sehr empfehlenswert, Windows soviel Speicher wie maximal empfohlen zuzuweisen, aber nicht mehr (wie viel das ist hängt von dem installierten physikalischen Speicher im Computer ab). Ich persönlich erhöhe nicht die Zahl der CPUs (obwohl ich eine Dual-Core CPU in meinem Laptop habe), da Dragon nur in geringem Maße von mehreren CPUs profitiert. Wer aber mehr als zwei Kerne hat, der kann durchaus Windows zwei Kerne oder mehr zur Verfügung stellen.

Der wesentliche Schritt ist, ein USB-Headset zu benutzen und dieses Headsets mit dem Windows Betriebssystem zu registrieren, nicht mit MacOS. Für weitere Informationen steht das Benutzerhandbuch (auf Englisch) von Parallels Desktop zur Verfügung. Wer diese Konfiguration zum ersten Mal verwendet, sollte einfach Windows auswählen während man die Alt-Taste gedrückt hält. Andernfalls muss man den „Hardware” / „USB” Eintrag verwenden, so wie es in Benutzerhandbuch (auf Englisch) beschrieben ist.

Nun kann man ein neues Benutzerprofil im Menü „Profil”, Untermenü „Neues Benutzerprofil …” in der Dragon Menüleiste auswählen. Hier ist es wichtig, „USB” als „Mikrofon” auszuwählen:

Auswahl des USB-Headset

Später fragt Dragon nach dem Audiogerät, das man für das Diktieren verwenden möchte. Auch hier ist es wichtig, dass USB-Headset auszuwählen und auf keinen Fall den „Parallels Audio Controller”:

Auswahl des USB-Headset

Nun kann man mit der Erstkonfiguration und dem Training des Profils wie gewohnt fortfahren.

Ich wähle übrigens immer „Wiedergabe” in diesem Dialog, um sicherstellen, dass mein Audiosystem richtig funktioniert:

Kontrolle des Audiosystems

Während des Diktierens existiert noch eine weitere Möglichkeit, die Toneinstellungen zu überprüfen. Wer denkt, dass die Erkennungsgenauigkeit überraschend niedrig ist, kann eine Phrase auswählen und entweder den Sprachbefehl „Auswahl wiedergeben” sprechen oder den Wiedergabeknopf in der Dragon-Bar benutzen:

Wiedergabe von diktiertem Text

Treten an dieser Stelle irgendwelche Verzerrungen des Tons oder Fehlen von Passagen auf, dann ist möglicherweise das Headset nicht korrekt als USB-Gerät installiert. Weiter oben wurde beschreiben, wie man sicherstellt, dass dies der Fall ist!

WICHTIGER HINWEIS!

Ich empfehle nicht, ein analoges Headset zu verwenden! Ebenso empfehle ich nicht, ein USB-Headset mit MacOS zu verbinden anstatt mit der virtuellen Maschine. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Die Dragon Software beschwert sich normalerweise, wenn man das „falsche” Headset anschließt. Falls das Headset des Profils mit MacOS verbunden ist, wird es sich nicht beschweren! Es kann sogar passieren, dass man versehentlich das eingebaute oder Zweitmikrofon eines Laptops weiterleitet: Dann stellt man plötzlich fest, dass die Erkennungsgenauigkeit von 99 % auf 55 % sinkt und man steht da und wundert sich warum! Aua!
  2. Falls das Hostbetriebssystem anfängt, Speicher auszulagern („swapping”), können Audioinformation verloren gehen. Die Tonsignale klingen abgehackt oder können Artefakte enthalten, die die Erkennungsgenauigkeit verringern oder sogar ganze Satzteile verschlucken.

Beide Situationen vermeidet man, indem man ein USB-Headset verwendet und dieses Headset wie oben beschrieben korrekt mit der virtuellen Maschine verbindet.

Es ist übrigens nicht möglich, direkt im Mac-Anwendungen hinein zu diktieren. Wer dieses Feature absolut benötigt, sollte stattdessen die MacOS-native Software Dragon Dictate for Mac benutzen.

Theoretisch ist es möglich, mit Hilfe einer Virtual Network Computing (VNC)-Verbindung auf der Mac-Seite das Diktieren in Mac-Anwendungen zu veranlassen. Apple hat seinen eigenen VNC-Host namens Apple Remote Desktop. In der Praxis fand ich dass dieser Ansatz eher mühsam und zu wenig ertragreich — man verliert die Fähigkeit, Sprache und Tastatureingaben gemeinsam zu verwenden. Ich bevorzuge stattdessen die Informationen mit Copy&Paste hin- und herzutransportieren, sehr ähnlich des Diktierfensters von Dragon. Aus diesem Grunde beschreibe ich diese Konfiguration nicht in diesem Artikel.

Benutzung und Workflow

Die Benutzung der Software ist nun sehr einfach: Zunächst startet man die virtuelle Maschine mit Windows, dann Dragon NaturallySpeaking innerhalb von Windows. Windows kann in jedem der Darstellungsmodi verwendet werden.

Falls das USB-Headset nicht eingesteckt oder korrekt konfiguriert ist, wird Dragon auf dieses Problem hinweisen, sobald das Profil geladen wird:

Fehlermeldung, wenn das USB-Headset fehlt

Dies ist eine Sicherheitsmaßnahme und einer der Gründe, wegen denen ich empfehle, ein USB-Headset in der virtuellen Maschine zu verwenden.

Nun ist es möglich, Dragon so einzusetzen, wie man es unter einem Windowssystem gewohnt ist. Ich persönlich verwende gerne WordPad (einfach zu starten mit dem Sprachbefehl „WordPad öffnen”), diktiere Text und verwende dann die „Alles auswählen” und „Auswahl kopieren” Sprachbefehle, um den Text in die Zwischenablage zu kopieren.

Text in die Zwischenablage kopieren

Mittels Befehlstaste-Tabulator wechsele ich dann entweder zu TextEdit, Pages oder Mail (den Mac-Programmen, in denen ich üblicherweise die Diktatfunktion einsetze) und drücke Befehlstaste-V, um den Text aus der Zwischenablage in die Programme einzufügen. Dies ist einfach und bequem.

Text in eine Mac-Anwendung einfügen

Die andere Richtung funktioniert ebenfalls sehr gut. Da WordPad vollständige Sprachunterstützung bietet, kann man in Text, der von MacOS heraus herüber kopiert wurde, vollständig navigieren und editieren, genau so als hätte man den Text direkt unter Windows eingegeben.

Zusammenfassung

In der jetzigen Form arbeitet digitale Spracherkennung gut sowohl mit der virtuellen Maschine als auch mit dem Host-Betriebssystem zusammen. Daher ist es möglich, ohne unnötigen Aufwand Text zwischen beiden Betriebsystemen hin- und herzukopieren. Es ist zurzeit nicht möglich, direkt in Mac-Anwendungen hinein zu diktieren. Wer dieses Feature benötigt, sollte DragonDictate for Mac ausprobieren.

Die Konfiguration, die in diesem Artikel beschrieben wird, wird offiziell nicht von Nuance unterstützt, aber Anpassung und Support ist durch Drittanbieter und spezialisierte Berater wie mich verfügbar.